Casanova Giacomo

Giacomo Casanova

Casanova Giacomo

GIACOMO CASANOVA

Casanova - Chevalier de Seingalt

Giacomo Casanova wurde am 2. April 1725 als Sohn eines Schauspieler-Ehepaares in Venedig geboren. Er studierte in Padua und promovierte 1742 zum Doktor der Rechte.
Zeitlebens war er soviel auf Achse, dass man seine Lebensdaten gut über seine Reisen vermitteln kann, denn Sesshaftigkeit war die Ausnahme (hier extra vermerkt).
1756 floh er als erster aus den "Bleikammern" des Dogenpalastes in Venedig, was ihn in ganz Europa berühmt machte.
Nachdem er in Paris als Lottoeinnehmer und in Amsterdam mit Hilfe seines Orakels zu viel Geld gekommen war, führte er noch zehn Jahre lang ein höchst abwechslungsreiches Abenteurerleben.
1774 durfte er nach Venedig zurückkehren, musste die Stadt 1782 erneut verlassen, fand 1784 eine Anstellung in Wien und landete schließlich 1785 in Schloss Dux (bei Töplitz in Nordböhmen) in einträglicher und bequemer Stellung als Bibliothekar des Grafen Waldstein.
Nun entwickelte er eine fieberhafte schriftstellerische Tätigkeit, die in der Niederschrift der "Geschichte meines Lebens" gipfelte. Er starb in Dux am 4. Juni 1798.

In seinen Memoiren namentlich erwähnt sind "nur" 116 Frauen, aber Historiker und Biografen schätzen, dass es wohl einige Tausend sein dürften, mit denen der "Chevalier de Seingalt", wie er damals hieß, sexuelle Abenteuer hatte. Sein Name steht heute für eine Persönlichkeit, die ständig und unaufhörlich auf der Suche nach "one-night-stands" ist. Casanova war nicht wie Don Juan skupellos bis verbrecherisch. Zwar war er bindungsunfähig und gelegentlich griff er auch zu Täuschungen und Lügen, um sein Ziel zu erreichen. Doch nie spricht er abwertend oder zynisch von den Verführten und Zurückgelassenen, er preist sie allesamt als vollendete Schönheiten und "anbetungswürdig" und vergißt sie nicht, sorgt häufig sogar für die Kinder. Ab und zu allerdings lügt und täuscht er die Frauen heftig, um sein Ziel zu erreichen.

So versprach er der jungen C.C. die Heirat, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Seine prompt darauf folgende Einladung, die Nacht mit ihm zu verbringen, lehnte sie jedoch ab: "Wir sparen uns das, bis wir verheiratet sind, nicht wahr, mein Freund?" Daraufhin schwor er in den leidenschaftlichsten Tönen, die väterliche Heiratserlaubnis noch innerhalb einer Woche zu erzwingen. Sie glaubte ihm und nun konnte er fortfahren: Warum könne das, was in wenigen Tagen vor aller Augen als kirchliches Zeremoniell vollzogen würde, dann nicht schon heute und "allein vor Gottes Augen" geschehen? Es konnte geschehen: "Meine liebe C.C. wurde mit Heldenmut mein Weib. Mit unglaublicher Schnelligkeit vergingen vier Stunden in köstlichen Verzückungen." aus de.netparadise.net Casanovas Tricks

Neben seiner großen sexuellen Potenz und Ausdauer war es wohl aber insbesondere sein Charme und Humor, und auch die Fähigkeit zur raffinierten und doch glaubwürdigen Schmeichelei, die ihn bei so vielen Frauen zum Erfolg führte. Und mehr noch: Viele der von ihm eroberten Frauen waren ihm später nicht ernsthaft böse, wenn er sie nach dem Abenteuer schnöde verließ. Seine Liebe setzte keinerlei tiefergehenden Gefühle voraus, schon nach allerkürzester Zeit konnte er sich genau so unwiderstehlich und hingebungsvoll wie zuvor in ein neues Abenteuer stürzen. Marcolina, die ihn anfänglich auf einigen Reisen ganz gegen seine sonstige Gewohnheit begleiten durfte, verließ er, als ihre Bindung über alle Maßen glücklich erschien: "Unaufhörlich fragte sie mich immer wieder, wie ich mir mein eigenes Glück zerstören könne, und sie hatte recht, denn ich begriff dies ebenso wenig wie sie."

Bisweilen setzte Casanova auch seine Ausstrahlungskraft und Potenz ein, um seine durch ganz Europa führenden Reisen zu finanzieren. So auch bei einer recht alten Herzogin, die von ihm geschwängert werden wollte. Casanova schwante Böses: "Die Herzogin war schön, aber alt, und es konnte mir zustoßen, dass ich das Werk nicht vollenden konnte. Ich war 38 Jahre alt und begann zu merken, dass ein solches Unglück nicht ausgeschlossen war." Doch ein kleiner Trick half: Seine schöne und junge Gefährtin Marcolina bot ihm heimlich "durch ihre schönen Formen und Berührungen" wärend der Begattung der Herzogin ihren Beistand. Es half und Casanova wurde königlich mit Diamanten und Gold entlohnt. aus de.netparadise.net Casanovas Leben

Casanova wurde 1725 in Venedig geboren. Wegen seiner umfassenden Bildung war er gern gesehener Gast in vielen Königs- und Fürstenhäusern. Als 16jähriger wurde er Doktor der Rechtswissenschaften und erhielt in Venedig die niedere Priesterweihe. Ein Venetianer, dem er das Leben rettete, adoptierte ihn, aber ihn zog es weiter nach Paris, wo er Lotterieeinnehmer des Königs wurde. Über Dresden, Prag und Wien kehrte er in seine Heimat zurück. Dort wurde er 1755 verhaftet und in die berüchtigten Bleikammern gebracht, wo ihm nach 15 Monaten eine abenteuerliche Flucht gelang. Über London reiste er weiter nach Berlin, wurde dort Friedrich dem Großen vorgestellt, in Warschau von König Poniatowski empfangen. Der Papst schlug ihn zum Ritter des Goldenen Sporns, Zarin Katharina II. fand seine Gesellschaft überaus anziehend. Er traf Voltaire und Rousseau, Winkelmann und Haller. Casanova beherrschte sieben Sprachen und verfaßte philosophische Aufsätze und Theaterstücke. Er starb 1798 völlig verarmt im böhmischen (heute tschechischen) Dux. In den acht Jahren vor seinem Tod hatte er wie besessen als Bibliothekar eines Grafen seine Memoiren verfaßt, die "Geschichte meines Lebens", mehr als 5.000 Seiten in über einem Dutzend Bänden, die heute eine sehr präzise und umfassende historische Quelle über die Sitten im 18.Jahrhundert sind.

Über sich selbst schreibt er: "Der Kultus der Sinneslust war mir immer die Hauptsache: Niemals hat es für mich etwas Wichtigeres gegeben. Ich fühlte mich immer für das andere Geschlecht geboren. Daher habe ich es immer geliebt und mich von ihm lieben lassen, soviel ich nur konnte. Auch die Freuden der Tafel habe ich leidenschaftlich geliebt." Und die Freuden des kultivierten Essens sind nicht selten bei ihm das Vorspiel zu weiteren Genüssen. Daß er täglich 50 Austern für seine Potenz aß, wie auf einer Website über ihn zu lesen ist, ist blanker Unfug. Aber dass Austern zu seinen Lieblingsspeisen zählten, beschreibt er selbst einige Male. aus de.netparadise.net Aus den Memoiren

Ein Auszug aus Casanovas Memoiren

"Dann schickte ich den Kellner fort. Ich bereitete einen guten Punsch, den ich durch eine Flasche Champagner spritzig machte. Nachdem wir fünf oder sechs Austern gegessen und Punsch getrunken hatten, über den die beiden Mädchen laut jubelten, so gut schmeckte ihnen dieses Getränk, verfiel ich darauf, Emilia zu bitte, sie solle mir eine Auster in den Mund schieben. Sie sind zu klug, fügte ich hinzu, um sich dabei etwas Böses zu denken!" Die Mädchen folgten seinem Wunsch und die Bissen wurden von Mund zu Mund ausgetauscht. "Mir war heiß. Ich konnte es schließlich nicht mehr aushalten und mußte meinen Rock ausziehen, und auch sie schnürten ihre Kleider auf. Sie ließen mich die Schönheit ihrer Brüste bewundern, deren Anblick mich bezauberte. (...) Als ich eine Auster an Emilias Lippen führte, fiel diese durch einen Zufall mitten in ihren Ausschnitt. Sie wollte sie herausholen, doch ich beanpruchte dieses Recht für mich. Sie mußte sich fügen, sich von mir aufschnüren zu lassen und gestatten, dass ich die Auster mit den Lippen aus der Vertiefung holte, in die sie gefallen war. Dabei blieb ihr nichts übrig als sich völlig entblößen zu lassen." aus de.netparadise.net M.M. - Eine literarische Erfindung Casanovas?
Eine neue Untersuchung über die Identität einer faszinierenden Frau

Von
Barbara Rothgangel

Seit über hundert Jahren versuchen Generationen von Casanovisten das Problem zu lösen, wer sich hinter den Buchstaben M.M. versteckt, mit denen Casanova eine Nonne aus Murano beschreibt und die eine der leidenschaftlichsten Frauenfiguren in der Histoire de Ma Vie darstellt. Verschiedene Hypothesen wurden aufgestellt, die diese Nonne als Maria Lorenza Pasini (Gugitz), Maria Eleonora Michiel (Childs) und Maria Morosini (Gruet) identifizieren.
Die These Pierre Gruets erschien als die allerwahrscheinlichste, da die Altersangabe Maria Morosinis mit 22 - 23 Jahren auf die von Casanova angegebene zutrifft. Es sei aber daran erinnert, dass er seine Frauen gerne jünger machte, als sie in Wirklichkeit waren.
Ein wichtiger Hinweis, der gegen die Identifizierung Maria Morosinis spricht, ist derjenige der von Riccardo Selvatico in seinem Buch "Cento note per Casanova a Venezia"(1) aufgenommen wird, und der daraus besteht, dass Casanova in den Memoiren schreibt, dass M.M. die Statue des Bartolomeo Colleoni auf dem Campo S. Giovanni e Paolo, dem nächtlichen Treffpunkt des Abenteurers mit der Nonne, nicht kannte. Diese Tatsache erscheint als sehr unwahrscheinlich für eine Morosini, deren Vater am 17. Mai 1748 verstorben war und der genau in der an diesem Platz befindlichen Kirche SS. Giovanni e Paolo beerdigt wurde. Mit Sicherheit war Maria Morosini während der Trauermesse anwesend und musste schon daher diesen Ort kennen. Ausserdem lag ihr Elternhaus unmittelbar an diesem Platz, am Rio del Paradiso.
Paola Boranga hat 1968 der Nonne M.M. eine sorgfältige Studie gewidmet und kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass ihr wahrer Name noch nicht gefunden wurde.
Viele Studiosi sind andererseits der Meinung, dass M.M. nichts als eine literarische Erfindung Casanovas sei und die er, wie es zu seiner Zeit üblich war, aus den Erzählungen vieler skandalöser Affairen in den Klöstern, kopiert habe. Noch 1997 hat Furio Luccichenti im "Intermédiaire des Casanovistes" die Meinung vertreten, dass Casanova nichts anderes getan habe, als eine Geschichte romanhaft wiederzugeben, die seiner Zeit von öffentlicher Bedeutung war und sich darauf bezog, dass der Vorgänger des Abbé de Bernis, der französische Botschafter in Venedig von 1732 bis 1743, Charles-Francois de Froulay, eine Affaire mit einer venezianischen Nonne unterhielt. Diese These ist nicht überzeugend und löst nicht das Problem, da es dieses umgeht und ausschliesst in Bezug auf seine Unbestimmtheit, die Möglichkeit es verifizieren zu können.
Ausserdem macht das Besondere der Geschichte M.M.'s die Tatsache aus, dass sie, so wie sie in der Histoire de ma vie erzählt wird, es möglich ist, sie zu beweisen, und dass Casanova die Personen, die er beschrieb, wirklich gekannt hat, auch wenn er diese im Zusammenhang der Umstände un der Zeit später literarisch verarbeitete.
Dass der spätere Kardinal de Bernis wirklich eine Liebesbeziehung mit einer Nonne während seines venezianischen Aufenthaltes unterhielt, ist durch einen Brief vom 1. September 1754 an die Gräfin des Alleurs, der Frau des französischen Botschafters in Konstantinopel zu beweisen (2). Weiterhin kann man in Casanovas Buch von 1797 "A Leonard Snetlage" nachlesen, dass trotz der venezianischen Spione, die seitens der venezianischen Obrigkeit strengstens angewiesen worden waren, alles zu berichten, dennoch die Inquisitoren in besonderen Fällen die Augen zudrückten und Ausnahmen von Anklagen machten. Obwohl es für venezianische Adlige streng verboten war, Kontakt mit ausländischen Gästen zu haben, so berichtet Casanova, unterhielt ein ausländischer Gesandter eine Affaire zu einer adligen venezianischen Dame mit Wissen der Inquisitoren. In seinem Werk berichtet Casanova ebenfalls, dass dieser ausländische Gesandte (es handelt sich hierbei mit Sicherheit um den Abbé de Bernis) einen excellenten Koch, namens Rosier, in seinen Diensten hatte. Dieser habe ihm, Casanova, einige angenehme Nächte im Lusthaus
seines Herrn verbringen lassen und ihn kulinarisch sehr verwöhnt.
Wie und wo hatte Casanova diesen französischen Koch kennenlernen können? In der Histoire de ma vie ist davon nichts zu finden.
Meine These ist hierzu folgende: In das Jahr 1751 zurückgehend hat Casanova sich gerade von Henriette getrennt und ist nach Venedig in den Palazzo Bragadin zurückgekehrt. Mit ihm leben hier zusammen Monsieur de la Haye und dessen Schüler, der junge schweizer Baron de Bavois. Casanova berichtet, dass sie beide gleich alt waren und denselben Charakter besassen. Sie wurden bald Freunde und nach langem Suchen erhält Bavois endlich eine Anstellung an der französischen Botschaft in Venedig. Es ist somit möglich und sehr wahrscheinlich, dass Casanova den Koch Rosier dort durch Bavois kennenlernte und es ist durchaus denkbar, dass er über diesen auch in Kontakt mit dem Abbé de Bernis kam, der als neuer französischer Botschafter im Oktober 1752 in Venedig angekommen war. Es sei hier erwähnt, dass sich die ehemalige französische Botschaft ganz in der Nähe des Elternhauses der Caterina Capretta befand, unweit der Kirche Santa Maria dell'Orto. In der Nähe dieser Kirche befinden sich auch zwei Palazzi, die miteinander verbunden sind und zwei bedeutenden venezianischen Familien gehörten, denen der Contarini und der Minelli.
In den Memoiren fällt ebenfalls der Name Contarini aus der Pfarrei Santa Madonna dell'Orto. Casanova hatte der jungen Marchetti 1752 einen Heiratsantrag gemacht, diesen aber nicht eingehalten. Die Mutter dieses Mädchens hatte sich daraufhin an den Staatsinquisitor, den Conte Contarini dal Zaffo gewandt, der in diesem Palazzo wohnte. Casanova wurde zu ihm im privaten Rahmen gerufen und die Unterredung verlief zu Gunsten Casanovas, der sich noch Jahrzehnte später wohlwollend an diesen erinnerte.
Über M.M. wissen wir, dass sie einer berühmten und bedeutenden Familie angehörte. Die Contarinis waren das, und der Conte Contarini dal Zaffo war mit einer Elisabetta Contarini verwandt. Das Wappen dieser Familie ist eine kreisförmige, sich umlaufend verzweigende Girlande, die eng mit einer Art Lorbeerblättern verstrickt ist, und die, wenn man das Motiv nicht kennt, als eine Art Schlinge bezeichnet werden kann. Dieses Wappen ist heute noch am Eingang zum Garten des Palazzos zu sehen, der zur Lagune führt, und von wo man das Kloster Santa Maria degli Angeli auf der Insel Murano sehen kann. Zu Casanovas Zeit fanden in dem Lusthaus, das sich in dem Garten befindet, Literaturtreffen statt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass auch der Abbé de Bernis, der als Poet und Literat bekannt war, daran teilnahm. Das wäre natürlich nur möglich gewesen, wenn, so wie es Casanova in "A Leonard Snetlage" beschreibt, die Staatsinquisitoren es stillschweigend duldeten, dass adlige Venezianer mit ausländischen Gästen Kontakt haben durften, obwohl diese Toleranz den strengen Normen eigentlich widersprach. Aber Ausnahmen gibt es heute und gab es auch in früheren Zeiten. Diese vernünftige Regelung wäre vor allem dadurch berechtigt gewesen, weil de Bernis in unmittelbarer Nähe dieser Familien wohnte und ihnen im alltäglichen Leben sowieso über den Weg laufen musste.

Ein wichtiges Indiz zur Identifizierung der Familie M.M.s liefert Casanova bewusst oder unbewusst selbst in den Memoiren. Bis heute ist dieses ignoriert worden, aber es ist ein kleiner Hinweis auf M.M.s Herkunft, der sich meiner Meinung nach als sehr wichtig darstellt und von den grossen Casanovisten nicht entdeckt wurde. Es handelt sich um das Briefsiegel, das M.M. benutzte und Casanova als "noeud coulant" (Schlinge) bezeichnet. Wie bereits oben erwähnt hatte die Contarini-Familie dieses Girlandenwappen. Dieses Siegel ist tatsächlich nicht sofort zu entschlüsseln und ich selbst sowie andere "colleghi studiosi" haben es als eine Schlinge angesehen, die wahrscheinlich mit Lorbeerblättern in der Art beschrieben wird, dass diese mehr an eine Kordel als an eine Girlande erinnert. Dieses Detail gewinnt noch mehr an Bedeutung, wenn es mit anderen Einzelheiten in Verbindung gebracht wird. Casanova hatte, wie man weiss, ein gutes Gedächtnis und so hatte er, als er die Memoiren schrieb, einen "noeud coulant" in Erinnerung.
So wie er die Begegnung mit dem Conte Contarini dal Zaffo in dessen Palazzo beschreibt, erscheint es mir, als wolle er einem indirekt über die Angabe des Familienwappens von M.M. den Weg, sie als eine Tochter dieses Familienzweiges zu identifizieren, aufzeigen.
Elisabetta Contarini, eine Verwandte des Conte Contarini, die ich bereits vorab erwähnt habe, war mit Francesco Minelli verheiratet und wohnte mit diesem in einem der beiden ineinandergehenden Palazzi. In ihrer Ehe wurden drei Töchter geboren: Die erste Angela, geb. am 24. November 1721, deren Taufpate dieser Conte Contarini dal Zaffo war und der später mit 80 Jahren am 12. Mai 1783 an einer Lungenentzündung starb. Aus den Taufregistern geht hervor, dass sowohl Angela wie auch deren beiden Schwestern, Antonietta Pellegrina, geb. am 15. Juli 1724 und Maria Lorenza, geb. am 20. August 1728 in der Ehe geboren wurden. Das vierte Kind der Elisabetta Minelli war ein Sohn namens Cristoforo Marco, geb. am 6. Mai 1742, der aber als ausserehelich im Taufregister aufgeführt wird. Sein Vater war nicht Francesco sondern dessen Bruder Pietro Minelli(3). Dieser Bruder M.M.s könnte es sein, der in den Memoiren erwähnt wird. Mutter Elisabetta Contarini-Minelli starb am 21. Oktober 1746 im Alter von 49 Jahren, während ihr Ehemann das hohe Alter von 91 Jahren erreicht und am 9. Mai 1767 starb.
Aus einem Register(4) ersieht man, dass die beiden jüngeren Minellitöchter, Antonietta Pellegrina und Marietta Lorenza als Auszubildende für das Nonnengelübde aufgenommen wurden. Dass beide im Kloster Santa Maria degli Angeli auf Murano waren, geht nicht nur aus dem oben erwähnten Register hervor, sondern steht auch in Casanovas Histoire de ma vie. Auch wenn im Originalmanuskript dieser Name aus Diskretionsgründen ausgestrichen wurde, so ist er doch noch deutlich zu lesen.

Ein anderes Dokument(5) vom 28. Mai 1775 bestätigt ebenfalls, dass sich die beiden Minellitöchter in Santa Maria degli Angeli befanden. Die ältere Schwester, Antonia Minelli hatte als Nonnennamen den Namen ihrer Mutter angenommen. Sie hiess S. Maria Elisabetti Minelli. Dieser Umstand lässt sich als Zeichen der Liebe zu ihrer Mutter interpretieren und es wäre durchaus nicht verwunderlich gewesen, wenn sie ihre Korrespondenz mit dem Familienwappen derselben versiegelt hätte. Damals wie heute dürfen Adlige Familienwappen väterlicherseits sowie mütterlicherseits verwenden.
1753 hatte S. Maria Elisabetta Minelli ihre Gelübde in Santa Maria degli Angeli abgelegt und war 28 Jahre alt. Wenn man an Casanovas Worte in der Histoire de ma vie glaubt und analytisch vorgeht, so kann man auf Grund der darin angegebenen Details, wie das des Wappensiegels in Form der Schlinge, die definitive Gelübdeablegung M.M.s, die bekannte venezianische Familienherkunft, der vom Elternhaus Minelli weit abliegende Campo SS. Giovanni e Paolo als nächtlicher Treffpunkt, den M.M. ja nicht kannte, weil sie schon als Kind ins Kloster kam, sagen, dass es sich bei Casanovas M.M. um keine andere Frau handeln kann als um S. Maria Elisabetta Minelli. Im Nonnenverzeichnis der Augustinerinnen, diesem Orden gehörte M.M. in Santa Maria degli Angeli an, erscheint sie als Vertreterin der Äbtissin vom 6. Juni 1795 und bei einer erneuten, immer drei Jahre dauernden Amtzeit, letzlich nochmals am 6. Juni 1798. Sie wurde in ihrem langen Klosterleben erst im späteren Alter als Vikarin gewählt, vielleicht ein Hinweis darauf, dass man sie erst da, lange Zeit nach ihrer Affaire mit Abbé de Bernis und Casanova für würdig hielt, in diesem Status tätig zu sein. Es ist jedenfalls auffallend, dass die anderen etwa gleichaltrigen Mitschwestern immer wieder aufs Neue schon in ganz jungen Jahren wiederholt vergleichbare Posten verwalten konnten. Nach 1798 taucht der Name der S. Maria Elisabetta Minelli nicht mehr auf. Casanova war am 4. Juni 1798 gestorben und vielleicht hat es das Schicksal so gewollt, dass sie bald darauf auch starb. Sie wird jedenfalls bei der nächsten Äbtissinnen- und Vikarinnenwahl am 26. Juni 1801 nicht mehr aufgeführt.
Ihre jüngere Schwester, Marietta Minelli, hatte das Kloster 1752 verlassen, um den adligen Venezianer Pietro oder auch Zuane Minotto am 5. Oktober zu heiraten. Sie könnte als die Laienschwester identifiziert werden, von der Casanova berichtet, und vielleicht war sie diejenige Person, von der in "A Leonard Snetlage" berichtet wird, dass sie die Geliebte des Abbé de Bernis gewesen sei. 1752-1753 war sie 24-25 Jahre alt.
Casanova selbst berichtet in seinen Memoiren, dass er das Gefühl hatte, während der Muranofahrten bespitzelt worden zu sein. Seiner Meinung nach musste das einer der Gondolieri gewesen sein, der ein Spion der venezianischen Inquisitoren war. Würde dieses zutreffen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch der Abbé de Bernis überwacht wurde. Es existiert tatsächlich ein Bericht vom 3. Mai 1754 (bereits nach Beendigung der Beziehung zwischen dem Abbé und M.M.), der von einem gewissen Herrn Medri geschrieben wurde. Darin ist zu lesen, dass "Herr Bartolo, der für die Gondeln des Abbé de Bernis, dem Botschafter Frankreichs, dem Conte Canonico di Leone, zuständig ist, sich gut bei diesem eingeführt hat und jederzeit sich Einlass in dessen Haus verschaffen kann, und alles, was darin vor sich geht, an Herrn Medri oder die Staatsinquisitoren weitergibt".
Dieses kleine Beispiel bestätigt, dass Casanovas Beobachtung der Überwachung richtig war und die Staatsinquisitoren über das, was sich auf Murano abspielte, unterrichtet waren. Aus Diskretionsgründen des Botschafters von Frankreich gegenüber, dem Abbé de Bernis, wurde die Angelegenheit nicht bekannt, vielleicht trug sie aber inoffiziell zu Casanovas Verhaftung in die Bleikammern mit bei.
Zu Ende kommend kann man wieder einmal Casanovas grosse Fähigkeit bewundern, wie er es verstand, Wirklichkeit und Phantasie poetisch miteinander zu vereinen. Nur auf Grund dieser Tatsache und seiner Fähigkeit, die Realität literarisch so zu übertragen, verdankt es die Nachkommin einer grossen venezianischen Familie, Maria Elisabetta Minelli, dass sie als eine der wichtigsten Frauenfiguren im Leben Casanovas und somit als eine der faszinierendsten Frauen in die Geschichte der Literatur und Kultur des 18. Jahrhunderts eingeht.

Anmerkungen:
(1) R. Selvatico, Cento note per Casanova a Venezia (1753-1756). Neri Pozza, Vicenza 1997, p.218. retour
(2) J. Rives Childs, Casanova. Die grosse Biographie. München 1977, pp. 84-85. retour
(3) Dieser Name resultiert aus der Heiratsurkunde, während H. Watzlawick meint, es handle sich um Zuanne Minelli. retour
(4) Ingressi del Fondo Torcellano dell'Archivo della Curia Patriarcale di Venezia, Fascicolo 44. retour
(5) 28. Maij 1775 sancti mona.ium S. Mariae Angelorum MurianidesVisitatio Diocesis Torcel. E sub. I.ll.o + Rmo. Fr. Pauolo a Ponte. retour

Copyright by Barbara Rothgangel, Vimercate, Italien. 1999.
Zum Text auf Italienisch:Casanova Research Page. aus de.netparadise.net


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