Kurtisane

Geschichte bzw. Geschichten über KURTISANEN

Kurtisanen

Die Kurtisanen pflegten mit ihren Gönnern alle von einer vergnügungssüchtigen Gesellschaft favorisierten Orte in Europa aufzusuchen, unter anderem auch Baden-Baden, die Sommerhauptstadt Europas des 19. Jahrhunderts. Sie stiegen in den besten Hotels ab, besuchten Konzert- und Theaterveranstaltungen und versuchten sogar ihr Glück im Casino. Eine, Léonide Leblanc, hatte soviel Glück beim Spiel, dass ihr der Gewinn nicht ausbezahlt werden konnte. Madame Leblanc hat, so könnte man sagen, die Bank gesprengt.

Marie Duplessis, die "Kameliendame" Alexandre Dumas', des jüngeren, und ebenso Verdis "La Traviata", war 1842 Gast in der Kurstadt. Ihr folgten neben Marie Colombier noch weitere Kurtisanen wie Therese Lachmann und Eliza Crouch, besser bekannt unter dem Namen Cora Pearl. Letztere reiste z.B. 1864 mit fünfzehn Reit- und Wagenpferden sowie sechs verschiedenen Equipagen, Kutschen und unzähligem Reisegepäck an, was ebenso für Aufmerksamkeit sorgte wie die Tatsache, dass ihr der Zutritt zum Casino verwehrt werden sollte. Ihr seinerzeitiger Liebhaber wusste dies allerdings kavaliersmäßig zu verhindern.

Mit dem Ende des französischen Kaiserreiches im Jahr 1870 endete auch die große Zeit der Kurtisanen. Einige wenige hatten sich bis dahin eine beeindruckende Position in der Gesellschaft "erarbeitet", wie z.B. Therese Lachmann, die Mehrzahl beendete ihr Leben in bescheidenen Verhältnissen oder gar im Elend wie Cora Pearl.


Das Kurtisanenwesen ist eine Sonderform der Prostitution, die in Italien des 16. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erlebte. Kurtisanen konnten auf Grund ihres gesellschaftlichen Status ein weitaus besseres Leben führen, als "gewöhnliche" Prostituierte.

Entwicklung des Kurtisanenwesens

In Rom fand das Konkubinat im 14. und 15. Jahrhundert besonders in Priesterkreisen weite Verbreitung, und löste die zu diesem Zeitpunkt die rechtlich nicht mehr mögliche Klerikerehe ab. Die zahlreichen Verbote oder Eindämmungen zeigten nur beschränkt Wirkung. " Unter Innozenz` Nachfolger, dem berüchtigten Papst Alexander VI. Borgia, erreichte die Unmoral der römischen Geistlichen ihren Höhepunkt.
Die Existenz eines Bordells in der ewigen Stadt wurde nicht nur geduldet, sondern zu einem einträglichen Geschäft für die Anhänger der Kurie gemacht: zwei Abgeordnete des Papstes vermieteten 1496 dem Korsen Ludevico Romanelli das Amt eines Capitaneus Prostituti de Ponte Sixto, eines Vorstehers eines Bordells bei Ponte Sixto. Romanelli mietete von den Beamten des Papstes das Recht, von jeder dort lebenden Hure einen monatlichen Tribut von zwei Cartini einzuheben, sowie einen Spielsalon und ein Gasthaus im Bordell zu betreiben."40 Konkubinat und Prostitution waren in Rom an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit so weit verbreitet, dass es den Moralklerikern als Verbesserung der Situation erschien, das Hetärenwesen der griechischen Antike wiederzubeleben.

Die Existenz einer Edelprostituierten im antiken Griechenland, die den Männern bei Symposien " von denen ehrbare Frauen ausgeschlossen waren, Gesellschaft leistete, sie angenehm und gebildet zu unterhalten wusste, mit Gesang und Tanz erfreute und gegen Bezahlung ein dauerhaftes Verhältnis mit einem oder mehreren Liebhabern einging," sie nicht nur sexuell befriedigte, sondern auch für die nötige Zerstreuung sorgte; diese Idee fand bei den Humanisten der Renaissance großen Anklang. Eine Hetäre, obwohl sie sich auf höchster Ebene prostituierte, war keine ,,gewöhnliche,, Hure, sie waren oft kluge und einflussreiche Gefährtinnen von Denkern und Staatsmännern, deshalb bezeichnete man sie auch nicht als solche, sondern gab ihnen die Namen Hetäre -Gefährtin. Man kann die Gesellschaftsstrukturen des antiken Griechenland durchaus mit denen in der ewigen Stadt des 15. und 16. Jahrhunderts vergleichen. Ehrbaren Frauen war die Teilnahme an gesellschaftlichen Festmählern, an gesellschaftlichen Veranstaltungen, überhaupt am gesellschaftlichen öffentlichen Leben untersagt. Ihre Aufgaben waren auf den häuslichen Bereich festgelegt. Diese Absenz der Frauen begünstigte die Entwicklung des Hetärenwesens sowohl in Griechenland als auch in Rom des 15. -16. Jahrhunderts. Es herrschte ein Mangel an ebenbürtigen Gefährtinnen am päpstlichen Hof, war doch ein großer Teil der männlichen Oberschicht unverheiratet, Frauen aber an den meisten Höfen der Renaissance eine nicht unbedeutende Rolle spielten. Umso begeisterter nahm man in Rom die Übersiedelung von Giuliano de Medici mit seiner Gemahlin Filiberta von Savoyen und deren Hofdamen nach Rom zur Kenntnis (1515). Die ewige Stadt war aber aufgrund seiner gesellschaftlichen Struktur keine Stadt der ehrbaren Frauen, aber da "die Herren der Kurie andererseits nicht auf gehobene weibliche Gesellschaft verzichten wollten, musste eine ganz spezifische Lösung für dieses Problem gefunden werden. So entstand in Anlehnung an das antike Hetärenwesen, gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Idee der Kurtisane, als Gefährtin der päpstlichen Hofbeamten - quedam cortegiana, hoc est meretrix honesta - (eine sogenannte Kurtisane, d.h. ehrbare Hure) schrieb der päpstliche Zeremonienmeister Johannes Burckhard 1498 in seinem Liber Notarum."
Dies ist die älteste Definition von Kurtisane: die Kurtisane war eine Frau die sich für Geld verkaufte, also eine Prostituierte, doch gleichzeitig wurde ihr das Adverb - ehrbar - zugeschrieben, was in diesem Zusammenhang soviel bedeutet, wie von der Gesellschaft anerkannt. " Der Name cortigiana bezeichnete eigentlich die Hofdame, die weibliche Ergänzung des Höflings - cortigiano, die an anderen Höfen entweder Ehefrau oder Töchter eines Aristokraten war."43 Kurtisanen hatten wie schon gesagt, nicht nur die Aufgabe, die sexuellen Bedürfnisse der Herren zu erfüllen, sie nahmen auch an gesellschaftlichen Veranstaltungen teil, sie hatten für die nötige Zerstreuung zu sorgen, ersetzten also die fehlenden Hofdamen.

Voraussetzung war ein gewisses Auftreten, stilgerechtes Benehmen und ein Minimum an Bildung, eben Eigenschaften, die sie von einfachen Prostituierten unterschieden, die auch entsprechend honoriert wurden. " Für die Kritiker der unmoralischen Zustände am päpstlichen Hof schien es noch das kleinere Übel zu sein, wenn die Kurialen ein Verhältnis mit einer Kurtisane hatten, die sie ein oder mehrmals wöchentlich besuchten, anstatt wie bisher in eine eheähnliche Gemeinschaft mit einer Konkubine zu leben. Auch war es für die Würde der Kurie zugänglicher, wenn die hohen Herren bei gesellschaftlichen Veranstaltungen in Begleitung vornehm wirkender Edelprostituierten erschienen, als weiterhin den freien Zugang gewöhnlicher Huren zum päpstlichen Palast zu dulden."44
Als Kurtisane hingegen wurde man verehrt, hofiert, konnte sich also wie eine große Dame fühlen und konnte gutes Geld verdienen.

Erster Kontakt mit potentiellen Kunden und das Verhältnis

Neben den Müttern, führten auch oft älter Kurtisanen die jungen Mädchen in das Gewerbe ein, dies ist durchaus als eine Form der Altersversorgung zu sehen, selten kümmerten sich männliche Zuhälter um die jungen Mädchen. Sie beschränkten sich mehr auf die ,,gewöhnlichen" Prostituierten. Kurtisanen standen in sehr enger Bindung zu ihren Müttern bzw. ältern Damen, die sie als Mütter ausgaben, sie lebten im gleichen Haus und ihre Aufgabe war es mit potentiellen Kunden zu verhandeln, oder sie hatten die unangenehme Aufgabe, zu erklären, dass sich ihre Tochter bereits mit jemand anderen zurückgezogen hatte.
In diesen Besprechungen ging es darum, für beide Seiten ein gutes Arrangement zu erzielen. Vereinbarungen, wobei die Kurtisane wöchentlich bzw., monatlich einen Fixbetrag erhält, dafür ein- bis zweimal ihren Kunden aufsuchte, waren die Regel. Doch zuvor musste der Werber erst einmal mit der Kurtisane in Kontakt treten, dies erfolgte zumeist über einen Dienstboten, der seinerseits dafür sorgte, das der Interessent bei seiner Herrin vorsprechen durfte; mit Geschenken erweckte er ihr Interesse. Reiche Bewerber gingen hingegen direkter vor und konnten es sich leisten, eine Kurtisane für sich allein zu beanspruchen. Außergewöhnlich wirkt auch die Tatsache, dass Rivalen akzeptiert wurden, solange sie der selben sozialen Schicht angehörten, so konnte es durchaus vorkommen, dass eine Kurtisane weiterempfohlen wurde, oder dass man sogar bei den Verhandlungen behilflich war, denn eine Kurtisane hatte das Recht einen Kunden abzulehnen, wenn das Geschäft nicht lukrativ genug erschien. Mit zunehmendem Erfolg und Berufserfahrung ,, gewannen die Frauen an Selbstständigkeit und fällten die Entscheidungen, ob und zu welchem Preis sie ein Verhältnis anfangen wollten, selbst. Um die Aufmerksamkeit künftiger Kunden auf sich zu lenken, trachteten sie danach so oft und so vorteilhaft wie möglich in der Öffentlichkeit zu sahen zu lassen.
Zwei grundlegende Regeln hatte eine Kurtisane immer zu beachten, brach man die erste musste man sehr geschickt und unauffällig vorgehen:

- erstere besagt, immer den Kunden den man sich zuerst verpflichtet hatte, den Vorrang zu geben

" nehmen wir an, Du habest einen sehr wertvollen Liebhaber und es findet sich ein zweiter gewichtiger Bewerber, der aber nicht so schätzbar ist, dass Du ersten seinethalben aufzugeben wünschest.

Dein Galan wird es Dir verbieten, den neuen einzulassen. (...) Du musst mit frecher Stirn Verwahrungen gegen den erniedrigenden Verdacht Deiner Untreue hervorsprudeln und Dich im empörten Erstaunen, über eine so falsche Beurteilung ganz unglücklich stellen. (...) Verstecke ihn, wenn es nötig erscheint, im Kämmerlein Deiner Magd um es erklärlich zu machen, dass Du öfters dahin gehst, lasse Deinen Nahtstuhl auch dorthin bringen. Du kannst am Abend Speisen essen, die es verständlich machen, dass Du in der Nacht hinausgehen musst, Du kannst auch Leibschmerzen vorschützen und unter Wehklagen von der Seite Deinen eifersüchtigen Liebhabers in die Arme des durstenden Nebenbuhlers eilen, der Dich - klar zum Gefecht - erwartet und Deine Schmerzen so gründlich vertreiben wird, dass Du vor Wonne zu sterben vermeinst. Dann kannst Du erfrischt zu Deinem ersten ins Bett zurück kriechen und beiden Männern ist Genüge geschehen.
Sollte Dein eifersüchtiger Narr den Braten riechen, dann leugne, schwöre alles ab, demütige Dich vor seinem Zorn, winsle ihn an. (...) Tu ihm schön, so lieb Du kannst und wenn im Zorn seine Hand in Dein Gesicht schlägt bleibe zahm, gib ihm Schmeichelworte als Antwort, bis er sich beruhigt und selbst um Verzeihung bittet, dass er Dir Unrecht getan hat. (...) Hüte dich Rache nehmen zu wollen für die verdienten schnellen Ohrfeigen, denn damit könnest Du ihn erzürnen, dass Du ihn ganz verlierst und das schwierigste in unseres Berufes ist, Freunde zu erhalten, nicht neue zu finden."

- die zweite besagt, dass nur Frauen, die Verhandlungen mit potentiellen Liebhabern führen durften, andernfalls könnte eine sehr peinliche Situation für alle Beteiligten entstehen

Der soziale Umgang und Verpflichtungen

Der soziale Status einer römischen Kurtisane war äußerlich vor allem an drei Faktoren erkennbar:

- ihr öffentliches Auftreten
- ihr Verhältnis zu hohen Herrn
- an gewissen Statussymbolen

Die enge Vertautheit zwischen der Kurtisane und ihrem Geliebten, konnte ihr so manchen Vorteil bringen, neben materiellen Gewinn konnte eine solche Bekanntschaft durchaus von Vorteil sein, z.b. vor Gericht, konnten diese engen Verbindungen von Nutzen sein.
Die erfolgreichen Kurtisanen zählten aufgrund ihres aufwendigen und luxuriösen Lebensstils zu dem oberen Zehntausend. Sie waren allgemein bekannt und da es zu dieser Zeit in Rom noch keine geregelten Straßennamen gab, waren ihre Häuser oft all bekannte Fixpunkte bei jeweiligen Auskünften.
Wie schon erwähnt wurde von einer Kurtisane wesentlich mehr erwartet, als die bloße Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse, langweilig durfte ihnen Liebhabern natürlich auch nicht werden. Ein gewisser Grad von Bildung, Kultur und angepasst
n Benehmen war Voraussetzung für Erfolg in diesem Gewerbe, doch blieb Bildung und Kultur stets eine Tugend, " die am vollkommensten von hochgeborenen Damen verkörpert wurde."
Gute Manieren, " zu Tisch setze Dich erst, wenn man Dich wiederholt gerufen hat, denn in der Bibel steht: wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Dann aber sei die erste, die sich stets peinlich sauber die Hände wäscht. Wenn der Salat serviert wird, dann stürze Dich nicht darauf wie eine Kuh aufs grüne Gras, sondern nimm ganz kleine Blättchen - sie sind auch zarter- und mache Dir nicht die Finger ölig, wenn Du sie zum Mund führst. Beuge Dich nicht über den Tisch, als wenn Du die Speisen mit dem Munde direkt vom Teller wegschnappen wolltest, wie Hunde es tun, sondern sitze voll Würde aufrecht vor deinem Teller und bediene Dich mit Grazie und Anmut. Bedeute dem aufwartenden Lakaien, mit einem leichten Kopfnicken, dass Du etwas zu trinken wünschest, wenn die Karaffen nicht auf der Tafel stehen; diesfalls musst du dir selber einschenkest, doch fülle das Glas nie bis an den Rand, gieße kaum mehr voll als die Hälfte, trinke niemals ganz aus, trinke nie gierig, auch nicht wenn Du großen Durst hast, denn sonst wirst Du schnell als Trinkerin und Schlemmerin verschrien sein. kaue nicht mit offenen Munde, dass schmatzt; das ist unappetitlich und widerwärtig. Nimm kleine Bissen und kaue so, dass Du kaum zu Essen scheinst. Dabei sprich so wenig als möglich.
Fange selbst überhaupt nie während des Essens zu sprechen an; wenn aber andere Dich fragen antworte freundlich, auch wenn es Dich stört. Wenn einer der Gäste Dir Speisen vorlegt, dir ein ausgesucht gutes Leckerstückchen zuschiebt, dann nimm es mit einer leichten Verbeugung, denn man soll alles gute nehmen (...), aber blicke dabei zu Deinem Liebhaber hinüber, wortlos mit den Augen so seine Erlaubnis heischend. Wenn Du das Mahl beendet hast, dann darfst Du - um der Jungfrau Willen _ ja nicht aufstoßen und rülpsen"; sowie singen, tanzen und musizieren waren Fähigkeiten, die vorausgesetzt wurden. Wie, und auf welche Weise junge Kurtisanen dies erlernten, ist nicht mehr nachvollziehbar

Die erfolgreichen Kurtisanen trugen ausschließlich Kleider aus exklusiven und edlen Materialien, das ganze 16. Jahrhundert trugen Kurtisanen den > habito romano < - die Kleidung römischer Patrizierinnen. Diese Kleidung hatte einen hohen materiellen Wert und war sinnvolle Investition. Kurtisanen akzeptierten gerne auch Kleidung als Bezahlung, diese konnten sie, da sie ihren Wert behielten, bei Geldmangel wieder verkaufen.
Kurtisanen waren auch für die Unterhaltung und das Wohlergehen ihrer Kunden und deren Freunden zuständig. " Dies war umso wichtiger, als in Rom, wenn man von der kurzen Zeit des Karnevals absieht, über kein geeignetes Unterhaltungsprogramm verfügte, das den zahllosen alleinstehenden Herrn die nötige Zerstreuung gebracht hätte." Der Karneval wurde in Rom mit großem Aufwand gefeiert, unter dem Schutz der Anonymität, nahm man an den Feierlichkeiten des "gewöhnlichen" Volks teil, oder war bei einem der zahlreichen Festlichkeiten und Maskenbälle, die einander an Prunk übertrafen, zu Gast.
Umso stiller war es das restliche Jahr, so übernahm die Kurtisane die Rolle der Gastgeberin, um ihrem Geliebten und dessen Freunde bei Laune zu halten. Sie öffneten ihre Häuser für Feste und gesellschaftliche Abende; Tanz, Musik und Glücksspiele und sorgten für die nötige Ablenkung. Die Lebensmittel für diese ausgiebigen Festessen, steuerten oft die Liebhaber hinzu.
Die Einstellung zu Sexualität und Erotik wurde ganz nach antikem Vorbild wieder salonfähig. Man diskutierte öffentlich über Hetero- und Homosexualität, ohne dabei auf christliche Moralwerte Rücksicht zunehmen. Die erotische Literatur erlebte einen neuen Höhepunkt, übermittelte aber nur ein ideales Bild dieser Zeit. " Ein erlesenes Mahl mit guten Speisen und Weinen, gepflegte und geistreiche Konversation, sowie Tanz und Musik sollten im Idealfall die Rahmenbedingungen bilden, das den Akt der geschlechtlichen Vereinigung von Animalischen löste und zu einem außergewöhnlichen Erlebnis erhob.


Der neue Zugang zur Sexualität blieb demgemäss ein höchst elitäres Vergnügen." Besonders in der Toskana erlebte der wieder ,, neue" Trend zur Knabenliebe einen Höhepunkt. Die meisten hohen Herrn, die den Analverkehr für sich entdeckten waren bisexuell, eine Frau wie einen Mann " zu gebrauchen" bereitete ihnen genauso große Lust. "Pietro Aretinos Nanna rät ihrer Tochter Pipa, großen Herrn das Geld aus der Tasche zu ziehen, indem sie sich diese Vorliebe zunutzen machen und sich, wenn der Kunde sich auskleidet, selbst dessen Kleider anziehen soll." Aretino, sowie einigen seiner Zeitgenossen war die tatsächliche Abneigung der meisten Kurtisanen gegen Analverkehr bekannt. Von einer Kurtisane wurde erwartet aktiv an der Befriedigung ihres Geliebten zu beteiligen, außerdem sollte sie sich etwas zieren, um ihm einen zusätzlichen Triumph zu ermöglichen. Die Kurtisane wurde als eine Frau gesehen, die im Gegensatz zu ehrbaren Damen die Möglichkeit hatte ihre erotischen Phantasien und sexuellen Begierden auszuleben, da sie natürlich den Eindruck vermittelten Spaß daran zu haben.

Kurtisanen und ihre Kinder

" Naturgemäß wurden die meisten Kurtisanen früher oder später auch selbst Mütter", doch dies wurde keineswegs verborgen. Kinder boten eine gewisse Sicherheit im Alter. Kurtisanen waren sehr darauf bedacht, ihren Kinder eine bessere Zukunft, sei es Ausbildung, oder eine ehrbare Ehe zu ermöglichen, oft ließen sie, als Schutz für ihre unmündigen Kinder, ihre testamentarischen Verfügungen durch einen dritten sichern." Die Sorge der Kurtisanen um die Zukunft ihrer Kinder ging meist dann zurück, wenn diese von ihren Vätern anerkannt worden waren, und daher den mütterlichen Schutz nicht mehr bedurften. Kardinäle und geistliche Würdenträger waren ebenso wie weltliche Herrn häufig bereit, ihre unehelichen Kinder zu legitimieren.

"Zu den großen Risken der Prostitution gehörte die Gefahr der Ansteckung von Geschlechtskrankheiten vor allem der Syphilis, die in Italien als > Franzosenkrankheit < ( mal francese ) bezeichnet wurde, war eine ständige Bedrohung für Kurtisane und Kunden." Es gab zwei gängige Meinungen wie Syphilis nach Italien kam:

1. vertriebene Juden aus Spanien, die nach Italien gegen Ende des 15
Jahrhunderts nach Italien flüchteten;

2. von Amerika aus verbreitete sich Syphilis über Spanien nach Italien;

In wenigen Fällen, sah man in dieser Krankheit die Strafe Gottes. Bald galt Syphilis als ein berechenbares Risiko, welches man gewillt war auf sich zunehmen. Huren, aber auch Kurtisanen wurden in der zeitgenossischen Dichtung eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung der Syphilis zugeschrieben. Es wurde ihnen vorgeworfen, aus Geldgier, trotz Erkrankung mit Kunden zu verkehren. Wie viele Kurtisanen erkrankten, weiß man nicht, in den Quellen finden sich zumeist nur Hinweise auf hohe Herrn, die an dieser Krankheit erkrankten. Quecksilber- und Guajaholztherapien aus Amerika gehörten zu den gängigsten Behandlungsmethoden.

Das Ende einer Beziehung und der Lebensabend der Kurtisanen

Beziehungen waren generell zeitlich begrenzt, so wurden beiden Seiten mögliche Unannehmlichkeiten erspart. Verliebten sich sie sich ineinander und blieben ein Paar, traf die Bezeichnung Kurtisane nicht mehr zu. Die Heirat eines Kunden, schlechte Bezahlung, oder ein besseres Angebot konnten von Seiten der Kurtisane das Ende einer Beziehung bedeuten. Doch nicht jeder zurückgewiesene Liebhaber, nahm eine Trennung ohne weiteres zu Kenntnis. Die Kurtisane konnte sich durchaus den Ärger ihres ehemaligen Liebhabers zuziehen; es war eine Schande von einer Frau, verlassen zu werden. M. Kurzel-Runtscheiner, berichtet in "Töchter der Venus",, von einem Fall, als ein gedemütigter und gekränkter Liebhaber, der die Kurtisane, die ihn verlassen hatte, maskierte Männer schickte, die ihr mit Messerstichen das Gesicht entstellten, er konnte jetzt sicher sein, dass sie nie wieder einen Kunden für sich gewinnen konnte; der hohe Herr stand deshalb vor Gericht und gestand. Der Verlust ihrer Schönheit, hatte ihm wahrscheinlich bereits Genugtuung verschafft.
Über genaue Höhe der Kosten für ein Verhältnis, weiß man nicht Bescheid, Beispielen zufolge, konnte eine Liaison mit einer Kurtisane, dem Monatsgehalt von ein bis vier Dienstboten entsprechen. Diese hohen Kosten konnten sich nur sehr wenige leisten, so kam es vor, dass man sich die Kosten teilte, oder in Form von Kleidern und Schmuck bezahlte.
"Vor allem musst Du stets für die Zukunft vorsorgen. Was sind das für bedauernswerte Geschöpfe, die in ihrer Jugend in Überfluss und Verschwendung toll in den Tag hineinleben und ihre alten Tage als Bettlerinnen an Straßenecken oder Sieche, von der Franzosenkrankheit angefressene, Ekel und Abscheu erregende Wracke im Spital dahinschleppen."
Ältere Kurtisanen ( ab 30) hatten durchaus die Möglichkeit, ihren Beruf auszuüben, wenn sie gewitzt, unterhaltsam und " noch" schön waren, aber natürlich waren die jungen Mädchen eine harte Konkurrenz. So sahen sie sich meist rechtzeitig um eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit um. Sie betätigten sich zumeist als Mittlerinnen, oder Kupplerinnen. Das Heranziehen von Nachfolgerinnen war die beliebteste Art der Altersversorgung.
Viele Kurtisanen starben jung, sie fielen Gewalttaten zu Opfer, oder erlagen Geschlechtskrankheiten. Die Sorge um ihr Seelenheil veranlasste die meisten der Kirche enorme Summen zuüberlassen. Damit für ihr Seelenheil hl. Messen gelesen wurden und so ihr Aufenthalt im Fegefeuer verkürzt wurde. Die Mädchen und Frauen, die den Beruf der Prostituierten oder der Kurtisane ergriffen, stammten aus den unteren Schichten, sie kamen größtenteils von Land und hofften in der Stadt auf ein besseres Leben, oder wurden von ihren verschuldeten Eltern verkauft.
Prostituierte und Kurtisanen hatten dieselben Resozialisierungsmöglichkeiten, den Eintritt in ein Kloster bzw. Konvent oder eine Eheschließung, doch wurde ein Rückfall in die vorherige Lebensweise hart bestraft.

Aretino versuchte die Kurtisane in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu stellen, für ihn war sie "keine Erscheinung am Rande der Gesellschaft, sondern eines ihrer Grundelemente; sie steht für eine wichtige Etappe im Prozess der gesellschaftlichen Rollenverteilung und der sozialern Arbeitsteilung. (...) Zwar ist für Aretino die Sexualität (und deren diffuse Macht) nicht der Schlüssel zu den Bewegungsgesetzen der städtischen Strukturen; aber er sieht auf jedenfalls in der Erotik eines der zahlreichen Mittel zur Ansammlung von Kapital."5
Für Achillo Olivieri der einen Beitrag in ,,Die Masken des Begehrens und die Metamorphosen der Sinnlichkeit: zur Geschichte der Sexualität im Abendland" 1992 über" Erotik und gesellschaftliche Gruppen im Venedig des 16. Jahrhunderts: die Kurtisane "steht die Entwicklung des Kurtisanenwesens hauptsächlich in Zusammenhang mit der Herausbildung und Ansammlung von Kapital. Für Olivieri zeigen Arentinos Dialoge einen Wandel der Gesellschaft zur Sexualität; die Sexualität wird in ihrer Gesamtheit und unverfälscht beschrieben und der Zusammenhang zwischen Sex und Geld wird erkannt. Der Körper der Frau, ihre Sexualität ist im 16. Jahrhundert zum Schöpfer ihres Kapitals geworden. Die materielle Bedeutung der Kurtisanen im städtischen Raum wird durch ihre Gleichsetzung mit Juden, wie sie in der Literatur oft vorkommt unterstrichen.
Sexualität " trägt nicht nur dazu bei, die Frau in untergeordneter Position zu halten, indem sie ins Frauenhaus oder in die Familie einschließt"55, sie ermöglicht ihr auch Macht auszuüben," sie schaffte eine Technologie des Sex, die sich bis in unsere Zeit fortentwickelt und vervollkommnet. In dieser fortschreitenden Institutionalisierung der sozialen und kulturellen Formen der Sexualität erhält auch die Sodomie eine wichtige Rolle."

aus de.netparadise.net


VIAGRA
HAREM